Die Wahrheit liegt im Blut – das Sonnenvitamin D

Seit einigen Wochen stecke ich in einem Selbstversuch mit Vitamin D3 plus Vitamin K2. Nach einer Dauersupplementierung von 7.000 IE täglich, bin ich zunächst für einige Wochen auf 10.000 IE täglich, dann für eine Woche auf 20.000 IE täglich, danach für eine Woche auf 30.000 IE täglich  und inzwischen nehme ich seit Anfang Dezember 50.000 IE täglich. Jetzt bin ich gespannt, was passiert.

Der erste Effekt: Meine latent chronisch vorhandene Sinusitis scheint sich aufzulösen. Mein Wert war schon vor 2 Jahren über dem damaligen Referenzwert von 50 ng/ml. Ich fühlte mich auf der sicheren Seite. Er lag bei 73,3 ng/ml und auf dem Laborblatt war der Vermerk, dass das Vitamin D zu hoch wäre. Das hat sogar mich irritiert und ich musste Tante Google bemühen um mich wieder zu beruhigen.

Den Impuls, diesen neuen Versuch zu starten, gab mir ein Buch von Jeff Bowles und die Tatsache, dass ich in meiner Praxis Menschen mit Depressionen, chronischen Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen meist einen niedrigen Vitamin D Wert haben und ich  generell neben anderen Vitaminen für 4 – 12 Wochen hohe Dosierungen Vitamin D empfehle. In der Regel geht es diesen dann auch nach 4 – 8 Wochen besser.

Aber um sicher zu gehen, gab ich nach einer Woche mit 50.000 IE  mein Blut ins Labor. Das Ergebnis: Magere 48,5 ng/ml und das hat mich entsetzt. Wo war das viele Vitamin D geblieben? Ganz einfach, der Körper hat es verbraucht.

Referenzwerte sind ja der Durchschnitt der eingesendeten Blutproben und nachdem immer mehr Menschen Vitamin D einnehmen, weil es ihnen damit besser geht, hat sich inzwischen auch der Referenzwert nach oben geschoben.

Es gibt auch Menschen, denen es zunächst nicht besser geht und das sind oft  welche, die vor Angst entweder die von mir empfohlenen hohen Dosierungen nicht einnehmen oder in der Zeitfalle stecken.

Manchmal fehlen dem Körper auch andere Stoffe, wie Eiweiß oder Mineralien. Man sollte aber die Zeit, die der Körper braucht nicht unterschätzen, denn das Leiden kam ja nicht über Nacht. Man hat immer die Wahl, sich von der Umwelt oder Medien irre machen zu lassen und sein Leiden zu behalten oder Selbstverantwortung zu übernehmen. Da jeder Mensch für sich selbst verantwortlich ist, braucht er Geduld, es kann dauern, bis eine Verbesserung eintritt.

Um meinen angeblich zu hohen Spiegel zu erreichen, habe ich 2 Jahre mit 5000 IE täglich gebraucht. Trotzdem gibt es immer diese Warnungen, wie gefährlich das wäre. Da aber ein kalifornischer Rettungsschwimmer so um die 120 ng/ml alleine durch die Sonne hat und dieser fit ist, muss ich diese Warnungen doch mit einem Fragezeichen versehen. Und nun werde ich die 50.000 IE täglich weiter nehmen, bis ich diesen Spiegel erreicht habe.

Dass ausreichend Vitamine und Eiweiß dem Körper gut bekommen, kann ich an meinen eigenen Laborwerten festmachen. Vor 10 Jahren lag mein Homocysteinspiegel bei 12, damals bereits über der Obergrenze. Heute ist die Obergrenze bei 12. Nanu? Werden da die Referenzwerte der kränker werdenden Bevölkerung angepasst? Die Aussicht, Herzinfarkt oder Demenz zu bekommen fand ich Angesichts dieses Wertes nicht prickelnd. Inzwischen ist er bei 6 und das im fortgeschrittenen Alter, kurz vor der Rente. Hätte ich mit auf die Aussage des Arztes verlassen, dass solche hohen Spiegel genetisch bedingt wären, dann wäre ich verlassen. Das Leid, das aus einer Mangelversorgung entsteht, trage nämlich ich und nicht der Arzt.

Spannend und rückblickend zu beobachten waren für mich die Veränderung der Referenzwerte beim Vitamin D. Während vor Jahren die Referenzwerte von 12-30 ng/ml, danach 20-50 ng/ml angegeben wurden, liegen sie heute bei 30-80 ng/ml, bei manchen Labors bei 100 ng/ml. Darum kann man sich niemals auf die Aussage „alles normal verlassen“. Obergrenze normal und Untergrenze normal ist ein sehr weiter Unterschied. Ich erkläre das immer so: „Wenn ich mit meinem Auto aus der Garage fahre, habe voll getankt  und Sie fahren mit Ihrem aus der Garage, aber der Tank ist nur knapp über Reserve, wer kommt weiter?“

Den eigentlichen AHA-Effekt hatte ich in meiner Familie. Meine Enkelin hatte bis zu ihrem Alter von 3 Jahren immer einen Fließschnupfen, im Sommer, im Winter, immer. Nach den ersten Meldungen über Vitamin D (da bin ich für die News von Doc Strunz heute noch dankbar) ging ich in eine Apotheke und verlangte Vitamin D. Der Apotheker fragte mich, ob ich 500 IE oder 1000 IE wolle. Ich wollte die 1000 IE und er wollte wissen, ob ich Osteoporose habe. Nein, habe ich nicht, ich will die fürs Kind. Er fragte weiter, ob das Kind Rachitis habe. Nein, hat sie nicht, aber einen permanenten Fließschnupfen. Seine Antwort: „Um Gottes Willen, da braucht sie Vitamin C.“ Nein, sie bekommt C, das hilft nicht. Ich nahm die Packung und gab dem Kind täglich 1000 IE. Nach 3 Tagen wurde es besser, nach 1 Woche war der Schnupfen weg und kam nie wieder. Heute ist sie 10 und bis auf einen Erkältungsschnupfen, vielleicht 3 mal in den letzten 7 Jahren, gab es keinen mehr. Vielleicht verstehen jetzt meine Patienten, denen der Arzt mal bei einem niedrigen Wert die 1000 IE verordnet wenn ich lächelnd sage: Kleinkinderdosierung.

Wo bekommt man hohe Vitamin D Mengen? In der Apotheke nicht. Die meisten nicht verschreibungspflichtigen Präparate enden bei 2000 IE. Von Dr. Loges (Vitamin D Loges)gibt es eines mit 5600 IE. Der Vermerk, 1 pro Woche, kann man getrost vergessen. Ohne diesen Hinweis hätte die Firma keine Zulassung bekommen. (Deutsches Arzneimittel-recht) 1 täglich ist das mindeste.

Ich empfehle erst einmal zu messen. Die Kosten liegen bei knapp 30 €, egal welches Labor man nimmt. Wer den Arzt scheut und den Mut hat, sich selbst in die Fingerbeere zu stechen, kann sich ein Testkit bei Amazon bestellen. Dort gibt es auch Vitamin D in hoher Dosierung, z.B. von Vitabay. Und es gibt auch das spannende Büchlein von Jeff Bowles zu dem Thema. Wichtig ist, dass man gleichzeitig auch Vitamin K2 nimmt. Nein, Vitamin K2 hat nichts mit der Blutgerinnung zu tun (wird oft mit K1 verwechselt), aber es schützt Nieren und Gefäße vor Kalziumablagerungen, die immer als Gefahr bei Vitamin D Einnahme genannt werden.

Wer ohnehin zu einer Blutabnahme muss, kann den Arzt darum bitten, Vitamin D mit zu messen. Und nein, es bedarf keiner Diskussion, warum oder weshalb. Der Satz: „Ich will wissen, wo ich stehe“ reicht vollkommen aus. Der Arzt ist nämlich Dienstleister und der Patient ist der Kunde, der die Leistung bezahlt. Beim Vitamin D die Rechnung, bei allen anderen Leistungen über die Krankenkassenbeiträge. Darum verstehe ich nicht, weshalb mir manche sagen: „Mein Arzt ist immer so komisch, wenn ich so etwas will.“ Zu mir hat einmal eine Helferin gesagt: „Was gemessen wird, bestimmt die Frau Doktor.“ Meine Antwort: „Nein, das bestimme ich, weil ich das, was die Kasse nicht bezahlt selbst bezahle.“

Also etwas mehr Mut, wenn es um die eigene Gesundheit und den eigenen Körper geht. Die Krankheit hat nicht der Arzt, nicht der Journalist in TV oder Zeitungen, die vor Vitaminen warnen, auch nicht die Politiker, die hohe Dosierungen von Vitamin D verschreibungspflichtig machen. Die hat man selbst und es braucht etwas Kreativität, um an hohe Dosierungen zu kommen. Zum Glück gibt es Amazon, Ebay und andere Versender und ein grenzenloses Europa, in dem das deutsche Arzneimittelrecht nicht gilt.

Am Ende noch kurz eine Zusammenfassung

Am  Vitamin D hängt alles:

  1. Die Psyche (Ängste, Depressionen)
  2. Das Skelett (Osteoporose, Kieferosteoporose im Alter, Gelenke, Knochensporne)
  3. Die Haut (Lupus, Collagenosen, Akne, Psoriasis)
  4. Herz-Kreislauf (Bluthochdruck, Herzerkrakungen)
  5. Immunsysten (Erkältungen, Autoimmunprozesse wie MS, Fibromyalgie, M.Crohn)
  6. Krebsgeschehen (Prostata, Brust-Darmkrebs)
  7. Gewicht (Hungergefühle, Antriebslosigkeit, Insulinresistenz)

Also nicht „alles normal“, sondern informieren, nachsehen, kontrollieren und handeln.

Update v. 20.04.2017

Hier ein Link zum Vitamin K2, das ich immer zum Vitamin D dazu verordne. Die Wunderwirkung vom K2 habe ich übrigens selbst im Familienumfeld erlebt.

Update vom 21.04.2017

Heute habe ich meinen neuen Blutwert bekommen.

Nach Einnahme von 50.000 IE täglich über 4 Monate hat sich der Wert von 48,5 ng/dl auf 74,2 ng/dl erhöht. Also keinen Grund, mit der Einnahme jetzt im Frühling runter zu fahren. Ich habe den Winter ohne Erkältung und ohne Schnupfen überstanden. Meine alljährliche Allergie ist in diesem Jahr auch nicht aufgetaucht.

 

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6 Kommentare zu Die Wahrheit liegt im Blut – das Sonnenvitamin D

  1. Monika Quante sagt:

    Danke für diesen tollen Text, er hat mich wieder ein Stück weiter gebracht! Liebe Grüße aus Hamburg, Monika Quante

  2. R. Seward sagt:

    Danke liebe Kollegin für diesen wunderbaren Artikel. Wie immer fachlich top und verständlich geschrieben. Meine Hochachtung 🙂

  3. Udo Kreß sagt:

    Genial der Artikel, ja ich bin auch davon überzeugt das Vitamin D fast allen fehlt und seit dem ich 7142 IE am Tag nehmen (50.000/Woche) ca. 1 Monat und davor 1 Monat 40000/Woche (und Vitamin K täglich) fühl ich mich so aktiv und das voll im Winter, bis jetzt waren die Winter eher inaktiv und man kam nicht in die Gänge.
    Ich bin aber noch voll im Testen. Also einfach mal ausprobieren was so passiert 🙂
    Erst ab April – Oktober kann die Sonne das erst wieder schaffen 🙂
    Mitte März mach ich mal wieder ein Test um zu sehen wo ich stehe. Jeder Mensch hat übrigens einen eigenen Bedarf an Vitamin D, am besten ermittelt jeder seinen Verbrauch selber 🙂

  4. Peter Czapka sagt:

    Super Zusammenfassung über Vitamin D3!
    Vielen vielen Dank dafür!

  5. Jutta Pfänder sagt:

    Hallo Frau Steimle,

    ich hätte da mal eine Frage:

    Hilft Vit D im Rahmen der Auto- Imunprozesse bei einem Problem mit Aszites?
    Oder gibt es hier ein anderes Präparat?

    Mit freundlichen Grüßen

    J.Pfänder

    • Angelika Steimle sagt:

      Frau Pfänder, ich empfehle er betreffenden Person, das Buch von Jeff Bowles über Vitamin D zu lesen. Aszides ist ja Wasser im Bauch und da frage ich mich schon, wo es her kommt. Wo ist die Ursache? Schwaches Herz, also eine Rechtsherzbelastung? Dann gilt Vitamin D als hilfreich. Leberzirrhose – da fehlen mir die Erfahrungen. Und ansonsten kann es auch mit einem Eiweißmangel zusammen hängen.
      Grundsätzlich ist es erst mal wichtig, den Vitamin D Spiegel (ca. 30€) zu messen und das Gesamteiweiß (1,75€). Erst dann, wenn man diese Werte kennt, kann man sehen, wo das Defizit ist.

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